Sonntag, 24. Mai 2009

maisommergartentag


7.22 uhr, der blick aus dem fenster. das amselgebrüll und die sonne haben mich nicht länger schlafen lassen.

mit der kamera und im nachthemd muß ich sofort hinaus in den garten. das beet vor der thujawand hatte ich gestern gleich frisch gemulcht. zum glück hat unser abendliches rasenmähen gleich nach unserer ankunft niemanden gestört. heute herrscht sonntagsruhe!

zeit für den morgentee. ich kann ja auch mit der teetasse in der hand im garten herumlaufen...

vorher werden aber noch alle fenster geöffnet und die betten gelüftet. so gefällt mir unser gartenhaus immer am besten, wenn es an warmen tagen ganz offen stehen kann und der unterschied zwischen drinnen und draußen nur noch drei stufen höhenunterschied beträgt. allerdings sind manche insekten trotzdem immer noch zu dumm, nach dem hineinfliegen auch wieder herauszufinden. der gartenherr muß gleich erst einmal einer hornisse zu hilfe eilen, die schon so erschöpft ist, daß sie dankbar auf den besenstiel klettert, den er ihr hinhält und sie damit nach draußen trägt. ein bißchen respektvoller abstand muß dann doch sein gegenüber diesen friedlichen fliegenden festungen...

im laufe des warmen, schon sehr sommerlichen tages öffnen sich immer mehr pfingstrosen. von dieser hellen, mir unbekannten sorte gibt es allein im unteren gartenbereich bis jetzt vier große büsche. und da sich päonien in unserem garten wir unkraut vermehren, werden es wohl mit der zeit noch ein paar mehr werden.

am mittag ist es so heiß, daß wir beschließen, unser sonnensegel endlich über der terrasse anzubringen. zwei haken im dachkasten und zwei weitere aufhängungen in der alten pflaume und im apfelbaum neben dem haus halten das segel. die übrigbleibende ecke wird mit einem stück seil und einem vom gartenherrn selbst zurechtgesägten hering aus holz in die erde hinter dem kräuterbeet abgespannt. ähm, schwer zu beschreiben, wie ich gerade feststelle...

am abend grillen wir das erste mal in dieser saison. bautischlerfreund und floristenfreundin bringen aber leider nur wenig hunger mit, da sie auf einer konfirmationsfeier vorher schon zum essen von vielen speisen genötigt worden waren. gegrilltes gemüse, das übrigbleibt, läßt sich aber prima mit etwas balsamico-essig für den nächsten tag marinieren. der abend ist warm, wir können lange draußen sitzen und freuen uns schon auf den sommer, wenn wir vierzehn tage urlaub im garten machen wollen und hoffentlich viele solcher abende genießen können.

Mittwoch, 13. Mai 2009

der tapfere ritter aruncus


es war einmal ein tapferer ritter mit dem namen aruncus, der lebte im beet neben dem weg im garten der villa hildegard. von seinen freunden wurde er waldgeißbart genannt, was er zwar ihnen zuliebe akzeptierte, aber nie ganz passend fand, hatte er doch in seinem ganzen leben noch keinen wald gesehen.

es begab sich im jahr 2007, als ritter aruncus im kampf gegen einen kleinen, aber starken bagger und zwei menschliche wesen unterlag: die baggerschaufel griff nach seinem wurzelballen mitten im sommer, als sein helmbusch in schönster blüte stand, und riß ihn weg von seinem vertrauten platz. unsanft in einer wiesenecke des gartens abgestellt, mußte er seine ganze lebenskraft zusammennehmen, um zu überleben. seine stolzen blüten vertrockneten, er verlor viele seiner schönsten blätter. nach einigen tagen - oder waren es wochen? - wurde er an seinen alten platz im beet zurückgeworfen. auch dieses mal griff die baggerschaufel unbarmherzig zu. das war zu viel für ihn und er gab auf. seine lehnsherren bedauerten sein ableben sehr, rührten aber seinen körper nicht an, da sie mit anderen schlachten beschäftigt waren...

der sommer endete, der herbst kam, ein milder winter folgte, und im frühjahr 2008 erwachte der ritter aus seinem todesähnlichen schlaf und zeigte in alter treue mit einzelnen kleinen blättern, daß er am leben war. da seine lehnsherren immer noch zweifelten, steckte er sich mit aller kraft im sommer wieder einige kleine blüten an seinen helmbusch. er lebt, er lebt, rief da der ganze garten, und auch die menschen glaubten wieder an ihn. sie glaubten so sehr an seine kraft und treue, daß sie beschlossen, ihn im herbst 2008, zu einer zeit, als die nächte schon lang und die tage neblig waren, an einen neuen platz im garten zu stellen. heraus aus der prallen sonne des sommers, hinein in eine halbschattige ecke zu könig thuja und prinz cotoneaster.

es war eine freude, die doch auch mit schmerz verbunden war, denn er wurde geteilt, viergeteilt sogar, mit scharfem spatenstich. ein tiefer zweifel an der güte seiner lehnsherren überkam ihn. aber die teile seines körpers wurden mit nur geringem abstand am neuen platz gepflanzt, er bekam gute erde, eine behagliche mulchschicht gegen den kommenden winterfrost, und seine neuen nachbarn sprachen ihm gut zu. in dieser ungewohnten nähe der gehölze verstand er beim grübeln in langen, harten frostnächten endlich, warum seine freunde ihn immer waldgeißbart nannten.

im frühling ließ er sich viel zeit und befragte sein herz sehr gewissenhaft darüber, wann er sich zeigen sollte. ein bißchen genoß er wohl auch die ungewohnte aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde; denn jedesmal, wenn seine lehnsherrschaft im garten weilte, besuchte sie ihn, sprach mit ihm in einem ihm unbekannten ton, und schob mit sanften händen die mulchschicht zur seite, um zu sehen, ob er noch lebte.

da beschloß er, das leben zu feiern, seinen dienst wieder aufzunehmen, und zeigte sich fortan jedes mal beim besuch seiner menschen ein stück größer und schöner und grüner und saftiger. und im mai beschloß er, daß es zeit sei, der welt mit dem schönsten stolz eines ritters aruncus dioicus - denn das war sein voller name - die ehre zu erweisen. und eine fülle von blütenknospen für seinen helmbusch hervorzubringen.

sieh nur! sagte die lehnsherrin zum lehnsherren, als sie ihn so erblickte: er reicht mir schon fast wieder bis zur brust! glücklicherweise können menschen nicht sehen, wenn pflanzen erröten, dachte sich da der kraftstrotzende ritter. und nahm sich vor, glücklich und zufrieden bis ans ende seiner tage zu leben.

Samstag, 2. Mai 2009

spiegeltrick


das ist die luke, mit der man früher nur von außen in den alten spitzboden unters dach gelangte. wir hatten sie das letzte mal schon hier platziert, weil unsere thujawand, die uns von der terrasse des nachbarn abschirmt, dort eine lücke hat. dieses mal habe ich einen einfachen spiegel hinter die öffnung montiert und genieße nun die seltsamen ausschnitte des gartens, die er zeigt. ein merkwürdiger effekt, wie ein fenster in eine andere welt...

Freitag, 1. Mai 2009

der tag des feierns der vollbrachten arbeit


wenn ich in der hängematte liege, nachdem ich heute morgen die gelben und gelb-roten tulpen aus dem garten meiner oma hildegard an ihrem geburtstag an ihr grab gebracht habe; wir danach eine neue kaffeerösterei und anschließend den jährlich stattfindenden flohmarkt besuchen; dann mit einem frühschoppen-bier auf den schönen tag anstoßen; ich zurückfahre in den garten, wo mich ein lange nicht gesehener freund besucht; wir auf der terrasse sitzen und kaffee trinken und ein wunderbares gespräch haben; ich ihm zum abschied einen kleinen strauß maiglöckchen mitgebe, weil niemand den garten mit leeren händen verlassen soll; und dann zum ersten mal zeit ist, in der hängematte zu liegen, beschneit von apfelblüten und mit frischem pfefferminzwasser im glas; der garten heute so ordentlich und wunderbar aussieht, wie das eben bisher möglich ist; und mich die ersten zarten rauchschwaden über dem tal daran erinnern, daß ich heute abend auch noch von den grillkünsten meines vaters profitieren werde -

dann weiß ich doch sehr genau, warum wir das alles gemacht haben. wer braucht schon aktienfonds, wenn er lebensqualität haben kann?

Montag, 20. April 2009

mulch!


ah, wunderbar, so muß ein gemulchtes beet aussehen! zur orientierung: die fläche im bild rechts neben den begrenzenden holzscheiten - das ist das beet! links davon ist wiese.

so frisch aufgebracht unterscheidet sich die gemulchte fläche optisch wirklich fast gar nicht von der gemähten wiese. das ändert sich aber schnell, die mulchschicht trocknet durch und wird braun. es gibt ja leute, die finden das häßlich; für mich allerdings ist der anblick nackter erde geradezu schmerzhaft. der mulch hält den boden feucht, verbessert die struktur, düngt und - ganz ganz wichtig - hält das unkraut nieder. und das unkraut, das sich dann doch dort durchkämpft, läßt sich wesentlich leichter entfernen, weil es sich durch die mulchschicht strecken muß und daher nicht so stark im untergrund verwurzelt ist.

ein weiterer vorteil ist, daß man sich wege und arbeit spart. ja, ich könnte das ganze zeug auch auf den kompost werfen. dann brauche ich aber einen riesenkomposter erstens. und zweitens würde ich den kompost ja dann in der nächsten saison sowieso auf den beeten verteilen. also: wozu der umweg über den kompost?

ein freund hatte mir neulich von einem problem mit dem rasenschnitt-mulch in seinem garten erzählt: unter der schicht fand er schimmel, und seitdem mulcht er nicht mehr. ich habe mich sehr darüber gewundert, weil das bei uns im garten noch niemals passiert ist, auch nicht bei recht kompakten mulch-schichten. außerdem gärtnert der freund auf sandboden, wir auf eher lehmigem boden, da hätte ich mir nicht vorstellen können, daß es bei ihm zu schimmelbildung kommt.

dann ist mir eingefallen, woran das liegen könnte: wir haben keinen rasen, wir haben hier - wenn man sehr gutwillig ist - bestenfalls so etwas wie wiese. unser freund hat rasen, sein schnittgut ist also viel homogener in der struktur als unsere kraut-und-rüben-masse. sein zeug wird also richtig zusammenpappen, während unser mulch immer so locker ist, daß ich ihn sogar mit den händen etwas festklopfe.

wie auch immer: ich bin eine bekennende mulcherin, auch, wenn ich das jetzt erst die zweite saison überhaupt praktizieren kann. ein problem sehe ich allerdings auf uns zukommen: wenn wir den wiesenanteil in unserem garten verkleinern, woher nehme ich dann all den mulch, den ich für die größer werdenden beete brauche? da werden dann wohl die nachbarn mit ihrem rasenschnitt aushelfen müssen... und wenn der dann zu homogen sein sollte, dann lasse ich mir vom bautischlerfreund eine tüte hobelspäne schenken und vermische das alles. kommt zeit, kommt mulch!

frühlingsfortschritt

hier sind drei fotos, die den fortschreitenden frühling dokumentieren, sie sind vom 21. märz sowie vom 3. und 20. april:


Sonntag, 19. April 2009

gartensonntag


der tag beginnt diesig, aber mit der zeit arbeitet sich die sonne immer stärker durch den dunst. an sonntagsruhe ist für uns nicht zu denken, auch wenn wir natürlich den rasenmäher heute nicht benutzen, um unsere nachbarn nicht zu stören. ich muß dringend jäten, das unkraut ist um diese zeit immer die am schnellsten wachsende biomasse. besonders im kräuterbeet unterhalb der terrasse ist der mulch des letzten jahres fast völlig vergangen, und so haben unerwünschte pflanzen hier eine ausgezeichnete spielwiese - örgs!

der gartenherr bringt derweil die forsythie noch etwas mehr in form; sie ist fast abgeblüht und kann einen weiteren eingriff nach dem auslichten ende dezember noch einmal gut vertragen. außerdem gibt es so weiteres material, um den sichtschutz vor dem kompost weiter aufzufüllen und damit zu erhöhen.



am nachmittag gibt es zwischendurch kaffee und kekse von unserem gartenstadt-lieblingsbäcker; es ist so warm und angenehm, daß wir auf der terrasse sitzen können. danach muß natürlich dringend und endlich die heute angebrachte hängematte getestet werden:



beim anbinden der aufhängung an den apfelbaum wurde der gartenherr dabei von einem amselmännchen angegriffen. ich war in einer anderen gartenecke und hörte plötzlich einen schrei, wie ihn mein mann normalerweise nicht einfach so abgibt! es war zum glück beiden nichts passiert, aber der amselmann war direkt auf das menschengesicht losgegangen, durch ein blitzartiges wegzucken des kopfes konnte aber ein direktes zusammentreffen verhindert werden. der gartenherr spürte dennoch flügelschlag an der schläfe, war aber nicht von der leiter gefallen. die amsel war danach auch noch wohlauf, hatte aber sicher auch einen ordentlichen schreck bekommen. der apfelbaum steht direkt vor unserer thujawand, dort drin hatten wir letztes jahr schon ein nest geortet.

wir pflegen ja ein gutes verhältnis zu den tieren in unserem garten; bei den amseln ist es immer auffällig, daß aber, wenn wir kommen, für ungefähr zehn minuten alarmzustand herrscht: geschimpfe und gekreisch inklusive aufgeregten tiefflugmanövern. dann beruhigt sich die szene, und sobald wir anfangen zu arbeiten, sitzen die vögel dicht bei uns und warten auf ihre gelegenheit, frisch in der erde gestörte regenwürmer zu ergattern...



bevor wir morgen "rasen" mähen, rette ich noch ein paar traubenhyazinthen aus den flächen. mit denen und ein paar tulpen, die ich auch schon geschnitten habe, mache ich dann später noch meiner stiefmutter eine freude, die zusammen mit dem vorbesitzer, vulgo: papa, am spätnachmittag überraschend einen gartenbesuch abstattet.

am frühen abend dann erscheint die floristenfreundin, wie immer bewaffnet mit ihrem fotoapparat. wir öffnen eine flasche sekt, feiern den schönen gartentag und entscheiden spontan, gemeinsam bei ihr zu kochen und abendzuessen, wobei ihr angebot, daß wir bei ihr duschen könnten, uns sehr gelegen kommt. unser sammelgruben-entleerungsdienstleister, vulgo: honigtrommler, hat uns nämlich hängenlassen, die grube ist randvoll, alles wasser wird von uns in den garten getragen seit unserer ankunft, ähem... achja, duschen und so wäre jetzt schön!